Blutgeil
Zum Jahreswechsel Polizeigewalt in Leipzig, Weimar und Rostock, ein Mensch von Polizisten erschossen in Berlin. Diese Ereignisse lassen mich an ein Filmprojekt denken, welches in der Schweiz unter dem Eindruck massiver Polizeigewalt entstand. Zufällig stieß ich darauf, als ich mit einem Freund in ein Gespräch über die Kulturgeschichte von Pfefferspray und Tränen-Gas vertieft war und wir hierzu Details im Internet suchten.
Der Film Blutgeil wurde von Züricher Hausbesetzer_innen gedreht, zu einem Zeitpunkt als sich die Repression gegen die squatter immer weiter erhöhte und es immer wieder Räumungen und Straßenschlachten in der Schweizer Hauptstadt gegeben hatte. Der Splatter-Film zeigt zunächst blutige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und einer Drogenbande. Schließlich will die Polizei dann auch in ein besetztes Haus eindringen, wo sich das Schicksal jedoch wendet: Die Hausbesetzer_innen misshandeln die Polizisten und essen sie schließlich auf.
Wie beabsichtigt erregte der Film einen Skandal und es wurde eine öffentliche Debatte über Gewalt, Polizeigewalt, Darstellung von Gewalt und Zensur geführt. Der Film wurde schließlich verboten und die Filmemacher_innen mussten eine Geldstrafe abtreten. Einer der Künstler, der sich sympathisch Seelenlos nennt, weigerte sich diese zu bezahlen und wurde daher zu einer Haftstrafe verurteilt, die er mit einer spektakulären Inszenierung antrat:

Nachdem Seelenlos also hingerichtet worden war, trat er all seiner Kleidung beraubt und blutüberströmt die Haftstrafe an. Die ganze Zeit während der Haftstrafe inszenierte er als Performance, dokumentierte diese und setzte somit seine eigene Verurteilung in den Kontext der Geschichte von Blutgeil. Schade, dass das Splatter-Genre in den Hausbesetzer-Kreisen kein Mittel mehr ist und immer mehr verbissen und humorlos auf die Repression reagiert wird. Angesichts immer größerer Einschränkung und Marginalisierung von linken Projekten und Räumen oder gar angesichts der Toten, sind Ernst und Wut sehr verständlich – leider führt sich die Linke dabei aber allzuoft selber vor. In jene Rolle des Vorgeführten sollte der Staat gedrängt werden – wie es dem Gesamtkunstwerk Blutgeil gelungen ist.
Informationen zum Film und Projekt Blutgeil
Offizielle Homepage | Blutgeil bei Wikipedia | Rezension bei IMD

8. Januar 2009 um 03:23 Uhr
[…] Kontakt « Blutgeil […]
4. Februar 2009 um 22:04 Uhr
[…] Blutgeil sind erfreulicher Weise wohl einige Genoss_innen aus Erfurt. Hintergrund ist die Entführung von Bernd dem Brot. Die “Kultfigur” vom Kinderkanal, unter anderem Wahrzeichen von Erfurt, war im Januar von seinem angestammten Platz am Erfurter Fischmarkt verschwunden. Nachdem daraufhin ein (inzwischen zensiertes) Youtube-Video aufgetaucht war, in dem das Brot die Nutzer_innen des Besetzten Hauses in Erfurt, welches in naher Zukunft geräumt werden soll unterstützt und von taz bis BILD die gesamte Schweinepresse darüber berichtet hatte, wurde nun Bernd das Brot in einer Industriebrache von der Polizei geborgen. Einige Sympathisant_innen äußerten gegenüber Indymedia nun ihre beabsichtigen Gräueltaten: Die vorzeitige Befreiung der Kult-Figur trifft die Hausbesetzer-Szene sehr hart. Das Beutestück war der letzte große Trumpf um die anstehende Räumung abzuwehren. Gerüchten zu Folge sollte die Figur bei anstehender Räumung mit einer Sprengladung auf dem Dach des Hausgeländes angebracht und dessen Zünder an den Eingangstüren und Mauern verkabelt werden. Es hätte so schön sein können: Während draußen Bereitschaftsbullen das Gelände stürmen, fliegt drinnen eines DER Wahrzeichen der Hauptstadt in die Luft. Viele Sympatisanten und Freunde zeigen sich nun verärgert über die vorzeitige Entdeckung. […]