Archiv für April 2010

Thesen zum Begriff der Geschichte

Mittwoch, 21. April 2010

Die Falken Erfurt haben vor Kurzem eine Broschüre mit dem Titel „»Die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen…« – Versuche einer materialistischen Geschichtsschreibung – Erfurt in der Frühen Neuzeit“ herausgegeben, in der einige Stationen der Erfurter Stadtgeschichte durchgegangen werden. Im Anhang befindet sich eine sehr lesenswerte Zusammenfassung der materialistischen Geschichtsschreibung von Marx, Benjamin, Agnoli …

Siehe auch

Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte | Esther Leslie über Walter Benjamin | Audiomaterial zu Walter Benjamin | Marcus Hawel: Walter Benjamins Geschichtsphilosophie | Christoph Hering: Rekonstruktion der Revolution. Walter Benjamins messianischer Materialismus in den Thesen „Über den Begriff der Geschichte“

Ken Vandermark im Wagner

Dienstag, 20. April 2010

Heute Abend wird im Café Wagner in Jena einer der aktuellsten Avantgarde-Jazz-Musiker aus den USA spielen: Ken Vandermark. Begleitet wird er von Paal Nilssen Love, der in der norwegischen Free-Jazz-Szene bekannt geworden ist. Beide verbindet unter Anderem, dass sie schon mit Peter Brötzmann zusammengespielt haben.
Hier eine Kostprobe (eine andere Besetzung als heute Abend – es handelt sich um irgend eine der Tausend Bands von Ken Vandermark):

Außerplanetarische Opposition

Sonntag, 18. April 2010

Das:

wird hier zitiert:

wird hier zitiert.
Danke an esowatch für die immer wieder guten Musikhinweise!

Schöner reisen

Sonntag, 18. April 2010

Am Wochenende hat das Trampen wunderbar funktioniert:

Nun bin ich wie eine kleine Spinne mit sehr kleinen Beinen. Müsste sie auf ihren Beinen laufen, würde sie nur langsam vorwärts kommen. Darum spinnt sie einen Faden so lang, dass er sie hochhalten kann, lässt den Faden los und springt aus in freien Fall. Der Wind greift den Faden und trägt die Spinne los. So bin ich nun, ich weiss nicht wo ich landen werde, ich weiss bloss dass meine Beine klein sind, und dass es schneller geht wenn ich trämpe.
(XN28, 2003)

Dabei musste ich an ein Erlebnis denken, das ich neulich in einer Kneipe hatte. Ich wollte nur kurz noch ein Bier trinken und dann schnell nach Hause gehen, doch dann kam ein Typ auf uns zu, der uns einfach die Hand gab und sich vorstellte. Um uns einen Eindruck von sich zu vermitteln erzählte er uns von einer imaginären Situation, die er interessant fand: Es ging um einen Philosophen auf LSD, der auf einer Brücke steht und irgendetwas verzwicktes passiert – ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern. Obwohl das Zeug was er erzählte ziemlich irre war, fand ich es sehr angenehm ihm zuzuhören – er hatte eine sehr angenehme Sprache (einen leicht schwäbischen Dialekt – nur leicht), eine wohlklingende Stimme und seine Mimik war munter und sympathisch. Normalerweise kann ich es nicht ausstehen von Besoffenen zugelabert zu werden – aber dieser Mann redete trotz offensichtlichem Einfluss von Drogen auf eine Weise, die mich irgendwie ansprach. Ich konnte ihm nicht die ganze Zeit folgen – wir diskutierten über Variation als Aufhebung von Dogma und Beliebigkeit, über das Verhältnis in einer Kneipensituation als Beobachter oder als jemand der darin vollkommen aufgeht, über die Schwierigkeit die in der Kommunikation bei einer solchen Situation besteht. Was jetzt wie typisches, langweiliges Kneipen-Philosophentum klingt, war hier doch irgendwie anders, vielleicht war es aber auch wirklich nur die angenehme Art wie dieser Typ redete. Zwischendurch versuchte er uns über seltsame Bewegungen, geradezu ein Schauspiel, begreiflich zu machen was er uns zu sagen hatte. Und dann erzählte er uns das, was mir am besten im Gedächtnis geblieben ist: Er beschrieb uns ein seltsames Zell-Wesen – halb pflanzlich, halb organisch, nierenförmig, in der Größe eines Sitzkissenes, oder eines kleinen Sofas. Ein Wesen, das sich auf rätselhafte Weise in Schwingung befindet und einige Zentimeter über dem Boden schwebt. Dies sei seine Vorstellung von zukünftigem Reisen – du begegnest einem solchen Wesen und es bietet dir an, dich mitzunehmen. Wohin du willst.
Bubizitrone hat gerade ein neues Wort erfunden: Eintagsflucht. Zu bezeichnend für eine Situation, die nicht aufhören will.

Now Playing

Samstag, 17. April 2010

Bevor ich zur Autobahn gehe:

Das Scheitern der Sprache #1

Samstag, 17. April 2010

Das Scheitern der Sprache ist eines derjenigen Motive in Literatur und Film, die ich am intensivsten, aufreibendsten, verstörendsten und auch am interessantesten empfinde. Nicht sprechen können, stottern, vergessen von Wörtern, das nicht zustande kommen von Verständigung, das stecken bleiben von Wörtern. Das Scheitern verbaler und schriftlicher Kommunikation scheint mir ein zentrales Moment in einer Zeit zu sein, in der Form und Inhalt voneinander getrennt sind und das Bild an die oberste Stelle jeder sinnlichen Wahrnehmung getreten ist. Die Verbildlichung und Raffung von Sprache in Form von Signalen, Verkehrsschildern, Smileys und Abkürzungen1 ersetzt immer mehr das Bedürfnis Bilder in Sprache auszudrücken. Um so wichtiger und sinnvoller scheint es mir zu sein sich mit dem Punkt auseinanderzusetzen, an dem Sprache scheitert. Historisch wird dieser Punkt meines Erachtens am intensivsten in der avantgardistischen und experimentellen Literatur reflektiert – hier vor Allem in der Situation des Krieges. An dieser Stelle will ich in nächster Zeit über einige solcher Reflexionen des Scheiterns von Sprache schreiben.
Ernst Jandl
Ernst Jandl wurde 1925 in Wien geboren und als wichtiger Vertreter der deutschsprachigen experimentellen Lyrik bekannt. Zweifelsohne sind seine Gedichte von einer gewissen Komik geprägt, doch sollte Jandl nicht als Spaßmacher2 missverstanden werden. Nicht nur aus seinen Frankfurter Poetik-Vorlesungen, welche unter dem Titel „Das Öffnen und Schließen des Mundes“ erschienen sind, geht hervor, dass es ihm um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Sprache ging. In seinen Gedichten kommen immer wieder andauernde Wiederholungen von einzelnen Wörtern vor, während dieser Wiederholungen verschwinden die Wörter und werden zu einzelnen Silben oder Lauten. Aus dieser lyrischen Form spricht ein Verschleiß der Sprache, eine Unfähigkeit zu sprechen, was in Jandls Gedichten mitunter schmerzhaft und brutal zum Ausdruck kommt. Ein Verschleiß, ein Scheitern der Sprache ist auch in dem Gedicht mit dem Titel „Deutsches Gedicht“ implizit Gegenstand. Jandl thematisiert darin nicht nur die Nichtbegreifbarkeit der Shoa und der Vernichtung, sondern auch seine eigene Schuld. Das Gedicht spricht zudem davon, dass auch die Sprache nicht unbeschadet aus dem Grauen hervergegangen ist. Das Gedicht wurde von Ernst Jandl selbst eingesprochen und es ist 1988 auf der LP „vom vom zum zum“ erschienen. Begleitet wird Jandl von der Sängerin Lauren Newton, Uli Scherer am Klavier und von Wolfgang Pusching an diversen Holzblasinstrumenten.
[audio:http://ubu.artmob.ca/sound/jandl_ernst/von_zum_zum/Jandl-Ernst_Vom-Vom-Zum-Zum_01.mp3]
Auf ubu.com stehen die Alben „bist eulen“ (1984) und „vom vom zum zum“ (1988) zur Verfügung.

  1. Wenn ich hdgdl nicht sagen kann, wozu brauche ich noch die Abkürzung dieser ohnehin schon standardisierten Formel? Die Rede von Soli (-gruppe, -konzert, -beitrag, -spende usw.) erweckt in mir den Eindruck, dass in der routinierten Polit-Macherei überhaupt kaum noch eine Idee davon vorhanden ist, was Solidarität denn meint. [zurück]
  2. Besonders ärgerlich finde ich eine Auseinandersetzung mit Jandl, die ihn geradezu als Sprach-Clown missversteht. [zurück]

Häuserkampf

Freitag, 16. April 2010

Ich habe gerade geträumt, dass in Erfurt ein neues Haus besetzt werden sollte. Das Vorhaben war noch geheim, nur ein kleiner Kreis wusste Bescheid, aber ich war eingeweiht. Es gab in Erfurt einen riesigen, heruntergekommenen Wohnkomplex. Es war eine Reihe von Hochhäusern, die aber nicht gerade waren, sondern geradezu ineinander verschachtelt, wie als wäre etwas ineinander verwachsen. So waren unter Anderem Flachdächer, als auch Spitzdächer vorhanden. Dieser Wohnkomplex war von unmenschlicher Riesigkeit – Menschen waren hier Material, das untergebracht werden musste. Als man mir erzählte, dass dieser Block, der mich geradezu an Hak Nam City erinnerte, besetzt werden sollte, war ich zunächst ungläubig. Bei einem Rundgang, der auf dem Netzwerk von Dächern begann, erklärte man mir das Konzept. Einige Dächer waren so undicht, dass man von hier aus Wohnungen betreten konnte, von denen zahlreiche leerstanden. Der Plan war, dass man erst in einige dieser Wohnungen einsteigen würde, um sich dann mit den übrigen Bewohner_innen des Komplexes zu vernetzen – es war alles so vorgesehen, dass die Hausverwaltung nichts bemerken sollte. Sofort begannen die anderen Personen mit der Arbeit. Ich war zunächst widerwillig an dem Vorhaben teilzunehmen, ich hatte trotz der außergewöhnlichen Situation ein wenig Angst vor einem üblichen, in der Szene befangenen Projekt. Doch die Lust an einem Abenteuer siegte und so begann auch ich mit den nötigen Vorbereitungsmaßnahmen. Diese waren zum Teil sehr seltsame Tätigkeiten – so nagelte ich auf einem Dach Lumpen an den Rand eines riesigen Loches, unter dem sich eine große Halle befand. Während ich mich mit dieser Tätigkeit beschäftigte, äußerte ich gegenüber den Anderen immer wieder, dass ich Angst hätte durch das Loch zu fallen, was einen ziemlich tiefen Sturz bedeutet hätte. Diese Angst wurde jedoch von den anderen anwesenden Personen nicht ernst genommen, geradezu unwirsch abgetan. Und dann geschah es – ich verlor das Gleichgewicht und konnte mich nur noch im letzten Moment an einem der Lumpen festhalten, die ich soeben befestigt hatte. In dieser Haltung war ich absolut verkrampft und hatte die Augen geschlossen – jede Bewegung, jedes Blinzeln mit den Lidern hätte den Fall bedeuten können. Ich rief verzweifelt um Hilfe, bis jemand kam und mich stützte. Als ich mich wieder in einer sicheren Situation befand und mich traute die Augen wieder zu öffnen, sah ich, dass ich nicht wirklich tief gefallen wäre – ich kam mir tollpatschig und unbeholfen vor.

In einer anderen Situation saß ich mit meinem Bruder auf einem Dach, das ein wenig von dem zukünftigen besetzten Haus entfernt war. Von hier aus konnten wir alles gut überblicken – ein gutes Gefühl. Wir saßen still und beobachteten das Geschehen, bis die Dämmerung einbrach. Im letzten Licht sahen wir dann schließlich Polizei aufziehen – es kamen riesige LKW’s angefahren, in deren halb geöffneten Laderäumen sich unzählige Six-Packs befanden. Das Blaulicht versetzte alles in eine unheimliche Atmosphäre. Uns wurde bewusst: Die Besetzung war aufgeflogen. Ich bekam eine riesige Wut und sagte meinem Bruder, dass wir irgendetwas krasses machen müssen – irgendetwas in die Luft sprengen. Mein Bruder wusste besser Bescheid und gab mir zu verstehen, dass wir bis zur vollständigen Dunkelheit warten müssten. Also blieben wir vorerst in unserem Versteck und beobachteten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Mit Erstaunen stellten wir nun fest, dass sich andere Leute auf diese Situation vorbereitet hatten: Mit an Wänden befestigten Geschoss-Anlagen wurden Feuerbälle auf die Six-Packs gefeuert. Von hier oben sahen wir nur die Feuerbälle durch die Nacht fliegen. Zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.
In der nächsten Einstellung stand ich mit ein paar anderen Leuten am Eingang des Gebäudekomplexes. Hier stellte sich heraus, dass doch gar nicht so viel Polizei anwesend war – es standen ein paar Streifenpolizisten und leere Polizeiautos herum. Dies gab mir Grund zu voreiligen Handlungen – irgendetwas musste ich tun. Ich ging zu einem Polizisten, der in zivil war, aber eine wichtige Funktion einzunehmen schien und schlug ihm mit meiner Flachen Hand in sein fleischiges Gesicht. Mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet: Die Polizisten waren in der Überzahl und hatten mich recht schnell eingekreist. Nur knapp konnte ich entkommen. Nun begann die Flucht. Ich erinnere mich an flüchtige, verschwommene Bilder. Alles rauschte an mir vorbei, ich musste rennen was es koste. Ich kam an Bahnanlagen, Industriebrachen und Geröllhalden vorbei, überall eine triste Mondlandschaft. Ich habe mich zwischenzeitlich in Hauseingängen und Ruinen versteckt, ich erinnere mich auch an eine kurze Zugfahrt, aber immer wieder spürten mich meine Verfolger auf.
Ich kam an einen großräumigen Platz – inzwischen in einer anderen Stadt, alles wirkte wie in dem Luc-Besson-Film „Le Dernier Combat“. Immer noch im Laufen begegnete ich einer seltsamen Figur, die mit Lumpen und Lappen eingewickelt war, aber dennoch sportlich wirkte und einen schwarzen Morgenstern in der Hand hielt. Panisch erklärte ich dieser Figur, dass ich seine Waffe bräuchte, warf ihm einen Geldschein vor die Füße und nahm ihm den Knüppel weg, den er mir nur widerwillig überließ. Genau in diesem Moment holten mich die Polizisten ein, die mich immer noch verfolgten. Rasend ging ich auf sie zu und streckte sie mit meiner neuen Waffe nieder. Doch ich wusste, dass mir dies nur einen kurzen Aufschub gewähren würde – man hatte spezielle Suchtrupps nach mir ausgesandt. Ich nutzte die Zeit um die Gebäude der Stadt zu erkunden – überall leerstehende Hallen, riesige, verfallene Gebäude. Ich betrat ein verfallenes Haus, in dem sich keine Gegenstände befanden. Auf einmal wurde ich von hinten gegriffen – eine Figur, die dem Morgenstern-Besitzer ganz ähnlich war – kein Polizist – griff mich mit einem gebogenen Schwert an. Gleichzeitig kam aus einem anderen Gang eine weitere Gestalt, die mich mit einem Knüppel angriff. Der hinzugekommenen Gestalt konnte ich mich erwehren, doch sofort kam eine neue hinzu – und der Schwertträger in meinem Rücken. Als ich die dritte Gestalt niedergeschlagen hatte, drehte ich mich zu dem Schwertträger um und musste feststellen, dass ich keine Chance hatte. Also drehte ich mich um, um meine Fluchtmöglichkeiten zu überprüfen. Im nächsten Moment stellte ich fest, dass sich der Schwertträger mit seiner eigenen Waffe erlegt hatte. Ich atmete auf und wollte aus dem Gebäude heraustreten. Als ich im Freien stand, stellte ich fest, dass die Umgebung meinem Zimmer entsprach und ich wachte auf.
Edit: Zum Häuserkampf in Erfurt und seinen eigenen Geschichten im Besetzten Haus schreibt gerade aftershow: Vom Hausbesucher zum Hausbesetzer und zurück I | II | III | IV

Brimboria Kongress

Freitag, 16. April 2010

Werde am Samstag dort anwesend sein:

Siehe auch das Interview mit Max vom Brimboria-Institut mit durchaus kritischen Fragen zum Konzept des Fake.

Extrablatt No 6

Sonntag, 4. April 2010

Soeben erschienen, wieder mit sehr lesenswerten Texten, u.a. Sonja Witte „Über die Kunst der Ware keine sein zu wollen“ und die Künstler Santiago Sierra und Donald Jodd.

Das wahre Leben trainieren

Samstag, 3. April 2010

An Zynismus und Sinnlosigkeit nicht zu überbieten:

Training für Hartz-IV-Empfänger
Arbeitslose spielen Kaufmannsladen
Aufblasbarer Plastikkäse, kopiertes Spielgeld, gefärbtes Wasser in Weinflaschen: Das Jobcenter Hamburg finanziert einen kompletten Supermarkt. Hartz-IV-Empfänger sollen dort wieder arbeiten lernen. Die simulierte Einkaufstour kostet Millionen – und hat bislang nur eine magere Erfolgsquote.
Hamburg – Eine Flasche Mirabellenbrand hält den Betrieb auf, die Scannerkasse erkennt sie nicht. Die Frau an der Kasse guckt fragend zu ihrem Ausbilder, dem Herrn Rothe. Die F7-Taste soll sie drücken, den Artikel eingeben, nochmal F7, dann den Preis, irgendwann die Taste F2. Und dann soll es weitergehen. „miraabellenbrand“ wird später auf dem Kassenbon stehen, verkauft für 49,90 Euro. Ein Tippfehler beim Namen, nicht so wichtig, Hauptsache, der Preis stimmt.
Die Flasche ist leer.
Der Kunde heißt heute Markus Repschinski. Der 28-Jährige hat die leere Mirabellenbrandflasche gekauft. In seinem Einkaufswagen liegen außerdem eine leere Flasche Ouzo für 29 Euro und volle Packungen Cornflakes, Reis, Toffifee, Pedigree sowie eine Dose weiße Bohnen. Insgesamt sind es Waren für 129,13 Euro. Repschinski wird noch mehrere dieser Wagen zusammenpacken, wahllos, mal ist Katzenfutter dabei, mal Hundefutter, manchmal beides.
Er wird jeden Wagen vorbeischieben an der Kühltheke mit den aufblasbaren Käselaiben aus Plastik, vorbei an den leeren Plastikschalen „Nordseekrabben Natur“, vorbei an den Weinflaschen mit gefärbtem Wasser. Auch vorbei an 6000 echten und gefüllten Kekspackungen, Konservendosen und Chipstüten, die hier in den Regalen liegen.
„Real Life Training“ steht auf seinem Rücken, deswegen ist er hier: Das wahre Leben trainieren, in einem Übungssupermarkt mit angeschlossenem Lager. Es ist die erste Maßnahme dieser Art deutschlandweit. Arbeitslose sollen lernen, wie es ist, im Lager zu arbeiten, an der Supermarktkasse, im Großhandel. Früh aufstehen, pünktlich erscheinen, die Mütze ab, die Hände sauber, Arbeitszeiten ordentlich dokumentiert auf einer Stempelkarte, das ist die Idee; jede Woche knapp 40 Stunden, für sechs bis neun Monate. Betreut von sechs Sozialpädagogen und fünf Übungsleitern. → weiter lesen

Passend zum Thema sei dabei auf das Interview mit den Neptunianer_innen King und Kodos von der „Außerplanetarischen Opposition“ hingewiesen, die im März nach Erfurt gekommen waren und nicht begreifen konnten, dass auf der Erde Häuser (Arbeitsämter) gebaut werden, die dafür erdacht sind sich vollkommen sinnlose Tätigkeiten für Menschen auszudenken, die eigentlich nicht notwendig arbeiten müssten:
[audio:http://sabotnik.blogsport.de/images/ausserplanetarische_opposition.mp3]
(Siehe Artikel Infoladen Sabotnik)
Um eine Kritik der Arbeit wird es auch am 10. April bei einem einführenden Seminar zur wertkritischen Kapitalismuskritik in Weimar gehen:

SEMINAR
EINFÜHRUNG IN DIE WERTKRITISCHE KAPITALISMUSKRITIK

Das zunehmende Unbehagen im Kapitalismus ist leider noch kein Garant für eine angemessene Kritik und nicht jeder Widerstand ist per se emanzipatorisch zu nennen. Die Gefahr, Bestandteil des Problems zu werden, gegen das sich der Unmut richtet, ist groß genug, wie viele (ex-)linke Biographien beweisen. Um den Kapitalismus kritisieren zu können, muss er auch verstanden werden. Wir wollen Euch die grundlegenden Kategorien der kapitalistischen Gesellschaft näher bringen, wie sie Marx im Kapital entwickelt hat. Entgegen einer traditionsmarxistischen Lesart stehen hier nicht Klassenkampf und Loblieder auf das Proletariat im Vordergrund, sondern die Kritik von Ware, Geld, Kapital und Warenfetischismus.
DATUM: 10. April 2010
BEGINN: 11:00 UHR
ORT: Weimar, Jakobsstraße 22 (Bureau der „Neuen Linken„)
EINTRITT: frei

Das Seminar findet leider parallel zu einer öffentlich angekündigten Hausbesetzung in Erfurt statt (wir vertrösten die Genoss_innen, auf dass die Theorie baldig die Massen ergreift). Diese Aktion wird im Rahmen einer Aktionswoche anlässlich der Jährung der Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt ausgerichtet:
EIN JAHR RÄUMUNG – PROGRAMM: 10. – 17. APRIL